Urlaub in den arabischen Emiraten. Für einen Villenbesitzer ist das finanziell kein Problem. Endlich mal ohne seine liebe Judith auf Reisen. Tausend und eine Nacht erleben – sein Traum.

Arnold schwebt ständig zwischen Leben und Tod. In der Wüste wird er von einem giftigen Tier gebissen, von einem Sandsturm verschüttet und mit einer >Wüstenblume< zur Ehe gedrängt. In Bangladesch wurde er mit seinem Freund gekidnappt, um Lösegeld zu erpressen. In Deutschland wäre er Bigamist – in Arabien nicht.
In der Hochzeitsnacht drohte das Damoklesschwert – die blutjunge Mira aus dem Oasendorf Nafir wollte einen in ihren Augen so alten Mann nicht.
Und als die Wasser der Wüstenbrunnen vergiftet wurden, begann die Jagd nach den Verursachern. War es ein Racheakt, Anhänger des IS, die Hilfskräfte aus Bangladesch?
Oder sogar die Einwohner der Oasenlandschaft der Rub al-Chali-Wüste selbst?
Wenn sie ertappt werden, droht die Steinigung. Die Gebote des Koran sind unerbittlich, denn das Wasser ist heilig.

319 Seiten voller Spannung mit Einblicken in die Welt der Emire und ihrer Harems.

Wüstensturm ist der letzte Band der Trilogie. Die Villa machte den Anfang, Black ist beautiful spielt in Schwarz-Afrika.

Leseprobe von Wüstensturm

Kapitel Dem Tod ausgeliefert
Der glühend heiße Tag in der Rub al-Chali näherte sich dem Abend. Die winzigen Sandwirbel auf den Kämmen der Wanderdünen erregten keinerlei Befürchtungen. Arnold und Botho sind ja keine Einheimischen. Auch wenn Arnold schon Todesängste im Sandmeer ausgestanden hat.
Arnold hatte seinem Freund von der Hochzeitsfeier mit Mira vorgeschwärmt. Deshalb begleitet ihn Botho heute auf dem Weg zur mädchenhaften Ehefrau. Natürlich ist er neugierig, was für einen Edelstein der alte Stecher in der Sandwüste gefunden hat.
Mira und Arnold standen ja während dessen Gesundungszeit im ständigen Kontakt, und der Weg ist ja auch nicht so unendlich weit. Bald wird er in Nafir eintreffen. Mira freut sich. Und wie sie sagt, das ganze Dorf.
»Du kannst jederzeit kommen, doch freitags wäre ein guter Reisetag. Das ist der geheiligte Tag der Muslime; wer an dem Tag eine Reise beginnt, wird sie glücklich beenden. Intsch Allah.«
»Gut, werde es so einrichten. Ich möchte Botho wieder mitbringen, das ist mir dann sicherer. Ist er ebenfalls willkommen?«
»Natürlich. Alleine deshalb schon, damit wir uns besser unterhalten können.«
Dieses kurze Gespräch übersetzte Botho, denn die Sprachkenntnisse Arnold`s sind weiterhin nicht berauschend, obwohl er fleißig lernt. Er ist ja nicht mehr der Jüngste, da flutscht das eher weniger gut. In anderer Beziehung aber doch.
Die Vorbereitungen zur Abreise sind getroffen, Geschenke besorgt, einige Gegenstände für den Haushalt ebenfalls. Und Utensilien, die Neugeborene immer gebrauchen. Obwohl das ja noch lange nicht soweit ist, aber immerhin.
Alles ist einwandfrei verschnürt, ebenso das Übernachtungszelt. Diesmal wird auch ein chemisches Mittel mitgenommen, das Taranteln und anderes Kleingetier abschreckt. Aus misslichen Erlebnissen lernt man eben.
Am Sonntag der Muslime ritten zwei Freunde in der Frühe los, die Mittagshitze gedachte man im Schatten von Felsen zu verbringen, um dann am Abend einen geeigneten Platz zum Übernachten zu finden. Nicht zu spät sollte man da ankommen, denn es würde alles akribisch nach stechenden Tieren abzusuchen sein. Noch einmal so eine Todesangst durchstehen – nein danke.
Der Ritt bereitete keinerlei Schwierigkeiten. Arnold und Botho waren inzwischen keine schlechten Kamelreiter mehr. Mit Beduinen könnten sie sicher nicht mithalten, aber das ist ja auch nicht erforderlich. Es reicht, wenn sie diesen 2-Tagesritt ohne Blessuren überstehen.
Die Freunde bauten ihr Zelt auf und hoben ringsherum einen schmalen Graben aus, in dem die Flüssigkeit zur Tierabschreckung ausgegossen wurde. Das müsste sie vor bösen Überraschungen schützen.
Ein kleines Feuer von Kameldung wird angezündet, um ihre Abendmahlzeit, eine Lende von einer Gazelle, die sie von Alyhaly mitbrachten, am Spieß zu braten. Das Fleisch war tiefgefroren von Dubai importiert, da diese Tiere in der Wüste nicht vorkommen.
Die Flammen gaben auch eine angenehme Wärme ab, denn mit der Dunkelheit kommt empfindliche Kühle in die Wüstenlandschaft. Weil selten Wolken am Himmel stehen, strahlt die Hitze des Tages schnell ab, sodass man in kurzer Zeit das Zittern bekommt. Leute, die das noch nicht erlebt haben, können es kaum verstehen.
Kam es nun vom Kameldungfeuer, oder von dem Tierschutzmittel? Es lag ein eigenartiger Geruch in der Luft. Der wird sich wohl bald verziehen, meinte Arnold. Aber er verstärkte sich sogar. Na ja, schlafen wird es sich dabei wohl lassen.
Doch bevor sich die beiden langlegen, ruft Arnold seine Wüstenblume nochmals an. »Ja, wir sind`s, ich wollte mich nur noch mal melden, ehe wir uns gleich hinlegen. Uns geht`s blendend, dir auch? Was macht dein Bauch, bemerkst du bereits etwas strampeln?«
»Nein, das nicht, aber ich bin besorgt, oder besser, der Dorfälteste ist es. Die Luft ist eigenartig schwül, sagt er, das wäre selten hier, weil es in der Wüste kein offenes Wasser gibt. Es bereitet ihm Sorgen. Er befürchtet einen Sturm, einen Sandsturm. Aber jetzt vermag er sich noch nicht festzulegen. Er hofft, dass er sich irrt. Doch er ist ein guter Kenner der Atmosphäre. Wenn es gefährlich werden sollte, ruf ich dich gleich wieder an.«
Es knackt im Gerät, dann ist die Stimme weg. Das gibt Arnold nun zu denken. Sofern sich ein schwerer Sturm ankündigt, kann das zur Katastrophe führen. Zyklone treten hier zwar nicht häufig auf, doch wenn einer aufkommt. ......
Wüstenstürme können sämtliches Leben vernichten, das sich ihnen in den Weg stellt. So gerne er die Stimme von Mira hört, jetzt würde er sich wünschen, dass sie nicht wieder anruft. Leider geht die Hoffnung nicht in Erfüllung. Das Handy zittert. Arnolds Hände ebenfalls, als er den Empfangsknopf drückt.
»Ja, was ist? «
»Ja, lieber Mann, es kündigt sich tatsächlich ein gewaltiger Sandsturm an, sagt der Mameluck, unser Wettermann. Das wird wohl morgen Vormittag so sein. In der Nacht eher nicht. Aber es wird sehr gefährlich. Ihr müsst Vorsorge treffen.«
»Schon wieder ein Unglück? Was sollen wir denn machen?«
»Der Mameluck rät dringenst, dass ihr euch südlich von Felsen, wenn da welche sind, hinter den Kamelen eine Mulde schafft und unter die Zeltplane verkriecht. Der Sturm kommt vom Norden. Dann liegt ihr vielleicht im Windschatten. Wickelt euch nasse Tücher um den Kopf, denn der feine Sand sucht sich den winzigsten Spalt zum Eindringen. Der Taifun könnte bis zu zwei Stunden wüten. Vertraut auf Allah, dass ihr ihn übersteht. Ich will ja dich, meinen Mann, wiedersehen. Lebendig.
Wir haben es hier etwas besser. Unsere Hütten geben uns Schutz, aber Zuckerschlecken würde es auch nicht. Wir werden alle tagelang auf Sandkörnern herumkauen. Doch ein Glück ist trotz allem, dass es heute Handy`s gibt. Und Ortungsgeräte. Vor noch nicht langer Zeit sind in solchen Stürmen viele Menschen umgekommen. Hoffen wir, dass es glimpflich ausgeht. Ich will euch keine unnötige Angst bereiten, doch achtet am Morgen auf kleine Sandwirbel oberhalb der Dünen. Das sind Vorboten des Infernos. Wir werden uns wieder sprechen. Vertraut auf die Götter.«
Botho hatte allerhand zu übersetzen. Hoffentlich hat er alles richtig verstanden und weitergegeben.
Das sind ja bedenkliche Aussichten! Arnold und Botho versuchen hektisch, die Ratschläge vom Mameluck umzusetzen, nur: Felsen gibt es hier keine. Und weiterziehen, um irgendwo welche zu finden? Die Idee ist auch nicht hilfreich.
Also machen sie sich gemeinsam daran, mit den Händen eine tiefe Grube auszuheben, in die sie ihr Zelt stellen. Wie kleine Kinder wühlen sie im Sand, doch hier ist es nicht Spielerei, sondern bitterer Ernst. So wird vermieden, dass ihr Biwak eine zu große Angriffsfläche für den Sturm bietet. Wenn der Zyklon dann da ist, fungieren die Kamele als zusätzliche Windbrecher. Die Reisenden werden sich Einsanden lassen wie Schlittenhunde am Nordpool, die, von Schneemassen überdeckt, den Blizzard zu überleben hoffen.
Na denn. Gottvertrauen ist angesagt. Mira sagte es. Nein, sie sprach von Allah.
Zum erholsamen Schlaf wird es in dieser Nacht nicht kommen, bei solcher Nervenanspannung. Warum muss es bloß immer ihn treffen, sinniert Arnold. Es wurde ein Dunkel, das so erhaben hätte sein können, mit dem Sternengefunkel über der gefährlichsten Wüste der Erde.
In der Nacht passierte nichts, nur dass der Schlaf fern blieb. Am Morgen dann, als die Sonne die Sandberge überstrahlte, sieht man die Vorboten des Unwetters. Kleine Sandwirbel drehen sich auf den Hügelketten. Wäre das den Deutschen nicht gesagt worden, hätten sie dem keine Bedeutung beigemessen. So aber sind sie nochmals gewarnt.
Es dauert einige Zeit, bis die ersten wütenden Böen kommen. Wenn es dabei doch regnen, nein, gießen würde. Man wird somit zwar bis auf die Haut nass, aber nur bis da. Man hätte nicht den Wüstensand zwischen den Zähnen, denn der wäre dann in Wasser gebunden. Aber dann, nach den Vorboten, schien die Hölle auszubrechen. Die Kamele drehten sich instinktiv so, dass sie den Menschen Schutz zu geben vermögen.
Werden die Kreaturen überleben? Der Schaitan ist unter ihnen!!!!
Der Mameluck, Ortsvorsteher von Nafir, hatte die Gefahr richtig erkannt. Es lag ein eigenartiger, nur von Wüstenkennern erkennbarer Geruch in der Abendluft. Und nur deshalb, weil er einen Nachtgruß an Mira sandte, bekam Arnold den Hinweis auf das drohende Unheil. Beide haben nur geringe Wüstenerfahrung. Die von Einheimischen so gefürchteten Anzeichen sind den Europäern unbekannt.
Ein liebevolles Gespräch, ein kurzer Gruß manchmal nur, vermag vor Bedrohungen oder Schlimmerem zu bewahren. Als sie die Kunde erhielten, waren beide dabei, ihr Nachtlager herzurichten.
Diesmal wird es ein heraufziehender Sandsturm sein. Vor zwei Wochen erlitt Arnold Todesängste, als er bei seinem zweiten Besuch Nafirs auf dem Rückweg nach Alyhaly im Schlaf von einem Skorpion gestochen wurde.
Wer an Geister glaubt, wird glauben, dass ebendiese Wesen verhindern wollen, Arnold nicht in die Rub Al-Chali- Wüste eindringen zu lassen. Dazu noch mit einer Wüstenblume verheiratet zu sein. Die größte Sandkiste der Erde soll vor Verunreinigung durch Andersgläubige geschützt bleiben. So ist doch zu vermuten, wenn Arnold schon wieder in Bedrohung kommt.
Auf diesem erneuten Ritt zu den Liwa-Oasen wurden Arnold und Botho vor der neuen Gefahr auf unerklärliche Weise gewarnt. Es wird wohl ebenso Gegengeister geben.
Mira erwartet den Sturm in ihrem Dorf relativ gesichert, denn die Bewohner können sich in ihre Hütten zurückziehen. Der feine Wüstensand würde zwar durch alle Ritzen dringen und Ländereien und Obstplantagen des Dorfes verwüsten. Für Reisende, die in der Wüste übernachten müssen, kann es jedoch lebensbedrohlich sein. Manch eine Karawane ist in der Vergangenheit unter haushohen Sandwehen verschüttet worden. Dann war es eben das Kismet, Allahs Uhr, die für sie abgelaufen war, wie der Moslem glaubt. Es stand im Buch des Lebens so verzeichnet.